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20 Jahre Guggä - Garettä - Rämlers
Von Pauken und Trompeten zu Gitarren und Kompostkübel

ram. Die ehemals Stadtglarner Guggenmusik, die Guggä Garettä, feiert heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Längst aus den Kinderschuhen des Guggendaseins entwachsen, nennen sie sich heute schlicht und einfach Rämlers. Und die Rämlers führen die Tradition von laut, wild und ziemlich unberrechenbar der alten Tage bis heute fort. Eine Geschichte die ihresgleichen sucht. Denn wer hätte sich vor 20 Jahren erträumt, dass aus einer Guggenmusik eine Formation gewachsen ist, die man schlichtweg nicht einordnen kann. Und ebenfalls 20 Jahre hat es gedauert bis schliesslich auch der erste Tonträger erscheinen wird. Gut Ding will halt nun einmal Weile haben...

Wer kennt sie nicht, die Herren in den schwarzen Anzügen, die Jahr für Jahr die Fasnacht unsicher machen. Die bewaffnet mit einem Koffer voller Musikalität und bestückt mit den verrücktesten Instrumenten durch die Lande ziehen. Vor genau 20 Jahren aus einer Guggenmusik entstanden, haben sich die Rämlers längst von den fasnächtlichen Wurzeln getrennt und treiben ihr Unwesen an Anlässen in der ganzen Schweiz. Die etwas verrückte Band aus Glarus umfasst 25 Musiker, die verschiedener nicht sein könnten. Die Instrumentierung mit Gitarre, Bass, Keyboard, Drums, Bläsersatz, Handorgel und Gesang ist ja eigentlich nichts Aussergewöhnliches, aber wenn dann noch einige eher unübliche Instrumente und Kuriositäten wie Fensterladen, Komposteimer, Waschbrett, Kübelsack und Garderobenständer dazukommen, ist das Chaos perfekt und ergibt den einzigartigen Rämler-Sound. Doch es war ein langer Weg bis aus Blech und Schminke die Rämlers wurden...

20 years ago
Das Rezept für alles was lange halten soll ist Veränderung. Dieser Gedanken wird wohl kaum einer der über 20 Gründungsmitglieder der Guggä Garettä gehegt haben. Als am 11.4.1981 die Stadtglarner Guggä mit den grünen Kostümen gegründet wurde, lag die Zukunft in weiter Ferne. Und kaum einer hätte geglaubt, dass es diesen Verein nach 20 Jahren immer noch geben wird, und wenn dann sicherlich nicht in dieser Form. Symptomatisch für diese einzigartige Formation ist ihr Drang nach Veränderungen, nie still zu stehen, nie sich auf Gewonnenem auszuruhen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass nach 20 Jahren aus einer Guggenmusik eine, na sagen wir mal, halbe Band entstanden ist. Denn schliesslich bestehen auch heute noch Statuten und alles läuft so ab, wie es sich für einen richtigen Verein gehört. Mani Matter hätte sein wahre Freude daran gehabt...

Fasnacht, Fasnacht und nochmals Fasnacht
In den Anfangsjahren des Vereins war das Ziel klar. Die Fasnacht in Glarus und Umgebung sollte wieder zum Laufen gebracht werden. Mutig und voller Enthusiasmus tingelte die Guggä Garettä durch das Lande und brachte, in ihren grüngelben Kostümen verkleidet, so manchen Beizer, Fasnächtler und Narren an den Rand des Wahnsinns. Denn nichts war sicher vor Ihnen. Geübt wurde noch Im Rhodannenberg im Klöntal. Nicht nur Guggenauftritte waren an der Tagesordnung - selbstverständlich wurde zwischendurch auch gefeiert, man weilte für ein Wochenende in Sedrun, Arosa und anderen Skiorten und sogar die Eishalle in Kloten war vor dem wilden Haufen nicht sicher. Ohne grössere Verletzungen trieb man sich von Jahr zu Jahr mit immer gewagteren und grösseren Projekten an der Fasnacht herum. Einer der Höhepunkte war sicherlich der legendäre Umzug mit dem Motto Amerika, wo eine überdimesionale Freiheitsstatute den Wagen zierte und alle Garettler als kleine Uncle Sams durch die Gassen zogen.

Aus der Guggä Garettä werden die Garettä Rämlers
Nach 10 Jahren Fasnacht und unzähligen Guggen mehr im Kanton verschwand der Enthusiasmus und es wurde eifrig nach neuen Möglichkeiten gesucht. Die alten Instrumente wurden in den Keller gestellt oder liess man vom Car überfahren und besinnte sich fortan auf eine neue Idee, welche nicht minder uninteressant und weniger originell als die alte war. Aus der Guggä Garettä wurden die Garettä Rämlers. Mit einem völlig neuen Konzept, schwarz geschminkten Köpfen und Instrumente von Banjos bis über zu Waschbrett und einigen Blasutensilien, strich die etwas leisere Formation nun nicht mehr an Monsterkonzerten und grossen Sälen umher, sondern machten hauptsächlich die Beizen unsicher. Die Musik, eine Mischung aus New Orleans Jazz bis hin zum Heimwehgassenhauer mit viel Gesang, hatte nicht mehr allzu viel mit den alten Guggentagen zu tun. Aber genau das wollte man auch; anders sein.

Vom Donschtigjass zu Läster Frank
Und von da an ging es rasend schnell. Als das Megafon als Gesangsverstärker zu klein wurde, entschloss man sich, einen alten Reisekoffer mit einem kleinen Mischer auszustatten und darauf zwei Boxen zu platzieren. Der Schritt Richtung Elektronik war getan. Eine elektrische Gitarre kam dazu, ein Bass sorgte für etwas mehr Boden und ein kleines portables Schlagzeug legte fortan den Rhythmus unter die Songs. Die Grundsteine für die nächste Etappe war gelegt. Immer vorausgesetzt, dass man in möglichst kurzer Zeit spielbereit war. Die technischen Anlagen wurden verfeinert und einige neue kuriose Instrumente wie Kompostkübel, Brittli und Kleiderständer kamen dazu. Rund um die Fasnacht häuften sich die Auftritte, nach dem Donnschtigsjass folgte der Auftritt im Ventil. Und so entwickelte sich das ganze langsam aber sicher zu dem was es heute ist. Eine Band, die sich verzweifelt dagegen wehrt, eine zu sein...

Die verrückte Band mit ihren arschcoolen Hinterteilen
Viele neue verrückte und ausgefallene Ideen haben die Rämlers zu dem gemacht, was sie heute sind. Für die offizielle Postkarte stellten alle ihr Hinterteil zur Verfügung und mit neuen Showelementen wurde auch das optische Erscheinungsbild dem Lauf der Zeit angepasst. Heute spielen die Rämlers, das Garettä wurde aus Gründen der Verständigung weggelassen, in der ganzen Schweiz und tingeln an manchen Wochenende einige Kilometer weit, um Hinz und Kunz und andere namhaften Grössen zu begeistern. Von der ausgefallenen Geburtstagsparty bis hin zu Auftritten an grossen Partys und Konzerten, als Partyband mit ausgefallenen Kostümen und einmaligem Erscheinungsbild, haben sie schon manchen Saal zum Toben gebracht. Mit einem grossen Fanclub im Rücken und der neuen CD im Koffer werden die Rämlers hoffentlich noch die eine oder andere Überraschung landen können. Und trotz allem bleiben die Wurzeln bestehen und jeder Rämler weiss - ob jung oder alt - dass die Fasnacht Ursprung des Ganzen war. Wenn auch die alten Guggentage längst passé sind, eines will daraus gelehrt sein: Veränderungen bringens halt doch...


20 Jahre und noch kein bisschen leise...

Jonny Tinner, Sänger (Präsi seit 20 Jahren)

Mike Leuzinger, Waschbrett (Vorstand seit 20 Jahren)

Jack Feldmann, Perkussion und Gesang

Daniel Hauri, Kompostkübel

Boni Heer, Brittli und OK-Präsi Jubiläum

Ueli Hefti, Trompete und Gesang

Söri Marti, Perkussion

Vigi Stadler, Posaune

Hampä Zweifel, Kübelbass


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